Ein Klassiker unter den Dichterwegen: Auf Goethes Spuren im Thüringer Wald

Ilmenau, der Goethewanderweg, mit rund 20 Kilometern Länge. Wegen seiner Naturschönheit, der Vielzahl verbürgter Plätze und einem echten Welthit („Über allen Gipfeln/ Ist Ruh …“) ein Klassiker unter den Poetenwegen. 26-mal war Goethe hier – von den Brausejahren mit dem jungen Herzog Carl August bis hin zu seinem 82. Geburtstag, „Goethes letzter Reise“ (so der Titel eines wunderbaren Buchs darüber von Sigrid Damm), die den Dichter mit den beiden Enkeln noch einmal in die Stadt und ihre Umgegend führte. Wälder und Täler, Felsen und eine Höhle lassen erahnen, warum Ilmenau Goethe als Sehnsuchtsort galt (auch wenn Borkenkäfer und in der Folge der Forst zuletzt teilweise dystopische Schneisen geschlagen haben).

Höhepunkt der Tour ist das Goethehäuschen auf dem Kickelhahn und mit ihm der nahe gelegene, 1855 errichtete Kickelhahnturm. Auf die Bretterwand einer Jagdhütte auf dem Berg hatte Goethe am 6. September 1780 „Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches)“ geschrieben. Heute ist das berühmte Gedicht an gleicher Stelle in einem Nachbau des Ende des 19. Jahrhunderts abgebrannten Holzhauses in 16 Sprachen zu lesen (und das Original auf einem Foto zu sehen). Die Aussichtsplattform des nur wenige Meter entfernten Kickelhahnturms (Eintritt frei) bietet einen grandiosen Rundblick über Ilmenau und Berge und Täler des Thüringer Waldes.

Davor und danach reihen sich weitere Goetheorte. Im Ilmenauer Amtshaus (Eckzimmer 1. OG rechts, mit Blick auf den Markt) verfasste Goethe Teile des „Wilhelm Meister“. Auf dem Friedhof liegt Corona Schröter begraben, eine Freundin Goethes und die erste Darstellerin seiner Iphigenie, deren vierten Akt (Prosafassung) der Dichter auf dem Schwalbenstein schrieb. Der Emmastein interessierte den Naturforscher wegen der engen Verbindung von Flechten, Moosen und Farnen mit dem Fels. Der Schacht „Neuer Johannes“ an der Straße nach Roda und das Zechenhaus geben Zeugnis von Goethes Bergbauambitionen. Ihr Scheitern machte Ilmenau für ihn auch zum Ort einer Niederlage.

Poesie und Tête-à-tête

Hermannstein und Hermannsteiner Höhle, eine erweiterte Felsspalte am Fuße des Porphyrfelsens, wurden Goethe zum Ort der Poesie und eines Tête-à-tête. Später, im Juni 1784, dichtete Goethe für Frau von Stein:

„Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten Wüsten nicht bleiben,
Drum stieg Amor herab, sieh und es lebte die Welt.
Auch belebt er mir die Höhle mit himmlischem Lichte,
Zwar der Hoffnung nur, doch ward die Hoffnung erfüllt.“

Auch die Zeichnung „Dampfende Täler bei Ilmenau“, auf die Rückseite eines Briefs skizziert, ist hier entstanden. Heute leitet eine Gitterrosttreppe auf den Felsen hinauf, von dem man über Manebach und Meyersgrund schaut.

Der erste Teil des Goethewanderwegs ist der anstrengendere, der zweite der schönere. Je nach Zeitbudget lässt sich der Weg zum und vom Kickelhahn auch direkt von und nach Ilmenau oder von und zum Parkplatz Herzogröder Wiesen abkürzen. Die offizielle Route führt über das Jagdhaus Gabelbach, errichtet für höfische Jagdgesellschaften und heute Museum, weiter. Hirtenwiese, Knöpfelstaler Teich und das Ende des Schortetals bilden die (wenn man das bei Goethe sagen darf) wildromantische Etappe. Das Finstere Loch, eine verschattete Schlucht, beeindruckt mit einer Felswand und einem Bachlauf, über dem umgestürzte bemooste Baumstämme liegen.

TOUR AUF KOMOOT UND KARTE
* Die Strecke finden Sie digital auf Komoot.com.
* Einen analogen Überblick bietet die Wanderkarte Ilmenau des Verlags Grünes Herz Ilmenau, ISBN 978-3-86636-336-6, für 4,95 Euro.

DER RÜCKWEG
* Zug Rennsteig-Shuttle oder Bus 300 ab Stützerbach zurück nach Ilmenau,
Teilstrecken/Runden ab Parkplatz Herzogröder Wiese oder Manebach möglich

VERWENDETE LITERATUR UND TIPPS
* Eine Übersicht gut sortierter Quellen bietet das Goethezeitportal.de, gegründet an der Ludwig-Maximilians-Universität München und von einem Verein getragen. Auch die Goethe-Gesellschaft Ilmenau-Stützerbach e.V. versammelt Material zur Verbindung Goethes mit Ilmenau auf ihrer Website.
* Ein Digitalisat der „Dampfenden Täler bei Ilmenau“ (1776) finden Sie bei der Klassik Stiftung Weimar.
* Sigrid Damms Buch „Goethes letzte Reise“ ist 2008 im Insel/Suhrkamp Verlag erschienen und als Taschenbuch erhältlich.
* Das Ölgemälde „Iphigenie auf Tauris“ von Georg Melchior Kraus mit Corona Schröter als Iphigenie und Goethe als Orest finden Sie hier in der Datenbank der Klassik Stiftung Weimar, den lesenswerten Wikipedia-Eintrag über die Schauspielerin, Sängerin und persönliche Freundin Goethes Corona Schröter hier.

AUSSTELLUNGEN, VERPFLEGUNG, EINKEHREN, BADEN
* GoetheStadtMuseum Ilmenau, Museum Jagdhaus Gabelbach, Museum Goethehaus Stützerbach – weitere Informationen auf der Website der Stadt Ilmenau
* Nahkauf Ilmenau, Waldgasthof Schöffenhaus, Ilm-Markt Manebach, Gasthaus Kickelhahn, Gasthaus Auerhahn
* Das Naturbad Stützerbach, Vorderer Rosenkopf 9, ist kostenlos und hat abends keine Schließzeit, dafür gibt es auch keinen Rettungsschwimmer – Benutzung auf eigene Gefahr. Im Winter ist der Weg vom Goethehäuschen hinunter Richtung Jagdhaus Gabelbach als Rodelbahn beliebt.

VERWANDTE TOUREN
* Einen Sommertag mit Goethe und Beethoven verbringen können Sie in Bílina und am Bořeň in Nordböhmen.

(Stand 08/2026)